Die Schweiz lacht über Maur
Ein Tuba-Ständchen zum 1. August schlägt in Maur höhere Wellen als mancher Gemeinderatsbeschluss: Nach Polizeieinsatz und Busse wird der lokale Musiker Bruno Puricelli nun zum landesweiten TV-Star und gastiert am Sonntagabend bei SRF-Comedian Stefan Büsser. Die Gemeinde liefert damit unfreiwillig den Stoff für die beste Unterhaltung der Nation – auf Kosten des eigenen Ansehens.
Es gibt Karrieren, die beginnen im KKL Luzern oder im Hallenstadion. Und es gibt die Karriere von Bruno Puricelli. Der langjährige Präsident der Musikgesellschaft Maur spielte am 1. August um 10.45 Uhr vor dem örtlichen Schützenhaus den Schweizer Psalm. Das Ergebnis? Ein Polizeieinsatz, eine sichergestellte Tuba, 50 Franken Busse – und eine mediale Welle, die nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.
Nach einem Auftritt bei «TeleZüri» adelt nun die nationale Unterhaltungsbranche das Maurmer Possenspiel, das von der Maurmer Zeitung lanciert worden war: Am kommenden Sonntag ist Puricelli Gast bei Stefan Büsser in der SF-Show «Late Night Switzerland». Vom Schützenhaus direkt in den TV-Olymp – diesen Sprung schafft sonst nicht einmal jeder Bundesrat.
Der Schweizer Psalm als «Bedrohung der Ruhe»?
«Unglaublich, welche Wogen mein musikalisches Intermezzo wirft», staunt Puricelli selber. Dabei wollte der erfahrene Tubist weder die öffentliche Ordnung erschüttern noch das Gemeindehaus stürmen. Er wollte schlicht und ergreifend den Geburtstag der Heimat musikalisch würdigen.
Doch in Maur gelten offensichtlich eigene Gesetze. Während in der restlichen Schweiz am Nationalfeiertag Alphörner erklingen, Wurstrauch aufsteigt und Festreden gehalten werden, ortet man an den Hängen des Pfannenstiels bereits im patriotischen Tiefton eine akute Gefährdung der öffentlichen Ruhe.
Gemeindepräsident Yves Keller darf sich spätestens jetzt als oberster Taktgeber dieses Kuriosums feiern lassen. Sein behördliches Feingefühl im Fall Puricelli hat ihm und Maur zuverlässig den Ruf eingebracht, eine Gemeinde mit besonders ausgeprägter Allergie gegen Spontanzustände und Blasmusik zu sein. Den Unterschied zwischen einem echten Delikt und einem feierlichen Ständchen hat man im Gemeindehaus jedenfalls gründlich missverstanden.
Ein Fall fürs Bezirksgericht – und für die Lachmuskeln
Die Juristen haben das letzte Wort: Ende Oktober folgt der Termin vor dem Bezirksgericht Uster. Man darf gespannt sein, wie viele Steuerfranken die Gemeinde aufwendet, um eine 50-Franken-Busse wegen eines Tuba-Solos zu verteidigen. Das Geld wäre vermutlich in Geigenunterricht oder Gelassenheitskurse für die Exekutive nachhaltiger investiert.
Für die Maurmer Standortförderung ist die Affäre derweil ein unfreiwilliger Volltreffer. Ganz ohne teure PR-Agenturen hat es das Dorf dank einer beschlagnahmten Tuba ins nationale Fernsehen geschafft. Blöd nur, dass die Nation am Sonntagabend nicht über die Maurmer Sonnenuntergänge staunt, sondern sich über die administrative Überregulierung am Greifensee amüsiert. (tre.)
Puricelli hat sich längst ein Ersatzinstrument besorgt. Was der Gemeindekanzlei jetzt noch fehlt, ist ein Hauch von Souveränität. Denn wenn Stefan Büsser am Sonntag die Tuba-Affäre genüsslich durchleuchtet, hört das ganze Land hin. Diesmal ganz ohne Blaulicht – aber mit viel Gelächter. (tre.)
