Wenn der Schulweg zur Ausweichroute wird
Die Chalen- und Leeacherstrasse in Ebmatingen werden zunehmend zur Transitachse für Autofahrer, die den Baustellen auf der Seestrasse ausweichen. Was für Pendler eine praktische Abkürzung ist, wird für Anwohner und Schulkinder zur Belastungsprobe. Die Gemeinde kennt das Problem – doch griffige Massnahmen bleiben aus.
Was haben eine ältere Passantin, ein Igel, eine Katze und ein Schulkind gemeinsam? Alle sind auf der Chalenstrasse dem zunehmenden Verkehr ausgesetzt. Während der Igel im Juli ausgerechnet auf einer Tempo-30-Markierung sein Leben verlor, müssen Kinder täglich eine Strasse passieren, die sich immer mehr zur Schleichweg-Route entwickelt.
Die Baustellen auf der Seestrasse sowie auf anderen Einfallsachsen in die Stadt haben den Durchgangsverkehr im Ebmationger Oberdorf deutlich anschwellen lassen. Regelmässig schieben sich ganze Kolonnen durch die Tempo-30-Zone. Auch Lastwagen nutzen die Quartierstrasse, die für viele Autofahrer zur vermeintlich cleveren Abkürzung in die Stadt geworden ist.
Die Gemeinde weiss Bescheid
Bereits im Juli hatte die Maurmer Zeitung auf die prekäre Situation hingewiesen. Der Gemeinde war die Verkehrszunahme bekannt. Gemäss damaliger Auskunft des Werkdienstes stand man mit der Kantonspolizei in Kontakt, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Doch Radarkontrollen blieben Mangelware.
Ende August musste die Zeitung erneut feststellen, dass sich die Lage für die jüngsten Verkehrsteilnehmer kaum entspannt hatte. Zwei überfahrene Igel innert weniger Wochen waren ein trauriges Warnsignal.
Tempo 30 auf dem Papier ist das eine. Die tatsächliche Sicherheit auf der Strasse das andere. Gerade für Kindergärtler und Primarschüler, die ihren Schulweg selbstständig bewältigen sollen, ist die Situation besorgniserregend.
Reto Surbeck ist gefordert
Damit steht Sicherheitsvorsteher und Gemeinderat Reto Surbeck in der Pflicht. Die Gemeinde kann die Baustellen auf der Seestrasse nicht verhindern. Sie muss aber dafür sorgen, dass deren Folgen nicht auf Kosten der Sicherheit der eigenen Bevölkerung gehen.
Gefragt sind wirksame Geschwindigkeitskontrollen und Massnahmen gegen den unerwünschten Durchgangsverkehr. Eine Quartierstrasse darf nicht stillschweigend zur Ersatz-Hauptverkehrsachse werden.
Die entscheidende Frage bleibt: Muss tatsächlich erst ein Kind zu Schaden kommen, bevor die Gemeinde handelt? Verkehrssicherheit zeigt sich nicht in Absichtserklärungen und diffusen Planspielen, sondern in konkreten Massnahmen. Auf der Chalen- und Leeacherstrasse ist es höchste Zeit dafür. (tre.)
