Der Viertelmillionen-Flop

Maur wollte das gute alte Plakat digitalisieren. Fünf elektronische Informationsstelen kosteten die Gemeinde eine Viertelmillion Franken. Nun sind sie von technischen Problemen geplagt – und die Lieferfirma ist Konkurs.

Es sollte ein Schritt in die digitale Zukunft sein. Im Juni 2024 informierte die Gemeinde über die geplanten fünf digitalen Informationstafeln in Maur. Kostenpunkt: 270’000 Franken. Der Gemeinderat sah darin zahlreiche Vorteile: weniger Aufwand für Verwaltung und Unterhaltsdienste, vielfältigere Anwendungsmöglichkeiten und Einsparungen für Vereine bei der Plakatproduktion.

Heute klingt das ziemlich anders. «Bei den digitalen Informationsstelen im Gemeindegebiet kam es in den vergangenen Monaten vermehrt zu technischen Ausfällen», schreibt die Gemeinde Maur in einer aktuellen Mitteilung. Die Mängel seien «laufend bei der Lieferfirma beanstandet» und deren Behebung «mehrfach eingefordert» worden. Doch verschiedene Probleme hätten «nicht oder nur teilweise behoben» werden können.

Dann kam der Paukenschlag: Die Lieferfirma hat Konkurs angemeldet.

Für die Gemeinde bedeutet dies, dass sie ihre Forderungen nun im Konkursverfahren geltend machen muss. Gleichzeitig klärt die Verwaltung ab, wie es mit den Stelen überhaupt weitergehen soll.

Der Computerabsturz kam

Bemerkenswert ist, dass die technischen Risiken bereits bei der Ankündigung der Investition thematisiert wurden. «Der Teufel liegt im Detail – und der erste Computerabsturz kommt bestimmt», schrieb «Uster24» damals. Die Frage lautete: Was passiert, wenn die digitale Wunderwelt einmal nicht funktioniert?

Die Antwort liegt inzwischen vor – zumindest teilweise. Die fünf Stelen stehen weiterhin in Maur, Ebmatingen, Forch, Binz und Aesch. Sie sind laut Gemeinde zwar noch in Betrieb, allerdings «teilweise mit Einschränkungen». Bei zwei Anlagen wurden zudem im Sommer die Schutzscheiben mutwillig beschädigt. Der vorgesehene Ersatz konnte wegen des Konkurses der Lieferfirma nicht mehr ausgeführt werden.

Damit sind ausgerechnet jene digitalen Plakatwände, die dereinst für mehr Flexibilität und weniger Aufwand sorgen sollten, selbst zum Problemfall geworden.

Analoge Erkenntnis

Die Gemeinde betont, für Vereine und andere Benutzer ändere sich derzeit nichts. Veranstaltungen und Hinweise könnten weiterhin eingereicht und auf den Stelen aufgeschaltet werden. Wann die Anlagen wieder zuverlässig funktionieren und wie der künftige Betrieb organisiert wird, ist allerdings offen. (tre.)

Die 270’000 Franken sind derweil längst investiert.

Ob aus der digitalen Plakat-Revolution am Ende doch noch eine Erfolgsgeschichte wird, ist offen. Vorerst bleibt aber eine ziemlich analoge Erkenntnis: Auch eine digitale Informationstafel kann ziemlich teuer werden – vor allem, wenn irgendwann niemand mehr da ist, der sie repariert. (tre.)