Tempo 30: Wenn die Gemeinde den Überblick verliert
Die Gemeinde Maur will bestehende Tempo-30-Zonen «optimieren» und damit die Verkehrssicherheit erhöhen. Doch die amtliche Mitteilung in der «Maurmer Post» lässt zentrale Fragen offen. Ein Ebmatinger Bürger hat sich die Planauflage genauer angesehen – und bezweifelt, ob die geplanten Massnahmen dort ansetzen, wo das Problem tatsächlich liegt.
Schon bei den Ortsbezeichnungen beginnt die Irritation. In der amtlichen Mitteilung ist von «Leeacher/Chalen/Steinmuerli» die Rede. Korrekt wäre Steinmüri beziehungsweise Steinmüristrasse. Auch «Ebmatingen Nord-Ost» bleibt rätselhaft – offenbar ist damit die Lohwisstrasse gemeint. Und wo liegt «Binz Nord»? Irgendwo kurz vor dem Polarkreis? Für ein Strassenbauprojekt, das immerhin mehrere Ortsteile und Tempo-30-Zonen betrifft, wäre etwas mehr geografische Präzision durchaus hilfreich.
Eine Massnahme, die kaum etwas bringt?
Besonders kritisch beurteilt ein Ebmatinger Bürger die geplante Massnahme an der Chalenstrasse auf Höhe «In der Chalen 5». Dort soll ein Vertikalversatz mit einem FGSO-Schachbrettmuster (Farblich gestaltete Strassenoberfläche) für eine Geschwindigkeitsreduktion sorgen.
Dabei ist dies kaum notwendig: Wer aus Richtung Zumikon in die Tempo-30-Zone einfährt, passiert bereits mehrere bauliche Verengungen. An der Kreuzung Chalenstrasse/Steinmüristrasse zwingt zudem eine 90-Grad-Kurve ohnehin zum Abbremsen. Die geplante «Optimierung» könnte deshalb genau dort ansetzen, wo kaum Handlungsbedarf besteht.
Der Bürger schlägt stattdessen vor, die Tempo-30-Zone in Richtung Zumikon bis zum Wassbergweg auszudehnen und die 50er-Tafel weiter Richtung Süessblätzstrasse zu verschieben. So hätten Autofahrer mehr Zeit, sich auf das tiefere Tempo einzustellen.
Das grössere Problem liegt dazwischen
Noch grundsätzlicher ist allerdings die Frage, weshalb Tempo-30-Zonen überhaupt regelmässig mit Schikanen «nachgerüstet» werden müssen. Liegt das Problem wirklich in den Zonen – oder in den Geschwindigkeitsunterschieden davor?
Der Ebmatinger verweist auf zunehmenden Durchgangsverkehr zwischen Forch, Zumikon, Ebmatingen und den Agglomerationsgemeinden. Wer zuvor mit 80 km/h unterwegs ist, empfindet 30 verständlicherweise als Stillstand.
Sein Vorschlag ist deshalb durchaus «out of the box»: Die Verbindungsstrassen zwischen den Ortsteilen könnten auf maximal 60 km/h begrenzt werden. Weniger Tempo, weniger Lärm – und vor allem ein fliessenderer Übergang zu den 30er-Zonen.
Die Gemeinde will Tempo 30 optimieren. Vielleicht müsste sie zunächst einmal die Frage optimieren, wo das eigentliche Problem liegt. (tre.)

