Handyverbot an Zürcher Schulen

Der Zürcher Kantonsrat will private Smartphones, Tablets und Notebooks aus den Volksschulen verbannen. Ein entsprechendes SVP-Postulat wurde am Montag mit 92 zu 82 Stimmen überwiesen. Nun muss die Bildungsdirektion einen Bericht ausarbeiten.

Bislang können die Zürcher Schulen selbst festlegen, wie Schülerinnen und Schüler mit privaten digitalen Geräten umgehen. Das soll sich ändern. Das Postulat der SVP verlangt verbindliche kantonale Vorgaben für ein Verbot vom Kindergarten bis zur 9. Klasse. In Maur ändert dies an der Praxis faktisch nichts. Den Schülern ist es schon jetzt untersagt, auf dem Schulareal ihre Smartphones zu verwenden.

Das kantonale Verbot soll nicht nur während des Unterrichts gelten, sondern auch in den Pausen, auf dem gesamten Schulareal sowie in Tages- und Betreuungsstrukturen. Ausgenommen wären Geräte, die ausdrücklich für den Unterricht eingesetzt werden.

SVP-Fraktionschef Tobias Weidmann verwies auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen übermässiger Smartphone-Nutzung und Problemen wie Schlafmangel, Übergewicht und Depressionen aufzeigen. Bereits die Anwesenheit eines Handys könne die Konzentration beeinträchtigen. «Dort tragen wir Politiker die Verantwortung für das Lernumfeld», sagte Weidmann.

Umstrittene Bevormundung

Gegen ein kantonsweites Verbot formierte sich eine ungewöhnliche Allianz. AL, FDP, GLP und EVP lehnten die Vorlage ab. Auch bei SP und Grünen waren die Meinungen geteilt.

AL-Kantonsrat David Garcia Nuñez sprach von einer «paternalistischen» Lösung. Kinder und Jugendliche benötigten keine Handyabstinenz, sondern Digitalkompetenz. Viele Schulen hätten bereits funktionierende Regeln. Auch Nadia Koch (GLP) plädierte für «Aufklärung, nicht Verbote».

Befürworter argumentierten dagegen mit dem Suchtpotenzial der Geräte und den positiven Erfahrungen handyfreier Pausen. Kinder würden wieder mehr miteinander spielen und sich bewegen.

Bildungsdirektion prüft

Mit 92 zu 82 Stimmen setzte sich schliesslich die Verbotsbefürworter durch. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) muss nun prüfen, wie die bestehenden Schulregeln kantonal ergänzt werden können. Sie sieht allerdings auch die Eltern in der Verantwortung.

Für die Schulen bedeutet der Entscheid vorerst noch kein sofortiges Handyverbot. Zunächst muss die Bildungsdirektion ihren Bericht vorlegen. (tre.)