Die gereiften Nachrichten aus dem Gemeinderat
Hier sind sind nun endlich. Vier Tage nach der Gemeinderatssitzung vom 17. August dürfen die gefassten Beschlüsse veröffentlicht werden. Sie wurden bereits am Morgen des 18. August den drei Medien «Maurmer Post», dem «Zürcher Oberländer» (auch «Anzeiger von Uster») und dieser journalistischen Plattform mit einer Sperrfrist bis heute 5.00 Uhr morgens zugesandt.
Der Grund: Heimat- und Monopolschutz der Gemeindezeitung «Maurmer Post», die dem Steuerzahler jährlich rund 330’000 Franken kostet, somit rund 8000 Franken pro Ausgabe. Diese erscheint bekanntlich erst am Freitag. Und nur physisch. Dies im Gegensatz zu den beiden anderen Medien, die digitaler und somit schneller und agiler berichten können. Und eigentlich auch wollen.
Die Maurmer Zeitung nahm das „Sperrfrist“-Thema in ihrem Beitrag „Maur lässt die Nachrichten reifen“ noch am selben Tag auf. Und berichtete bereits über die Neuigkeiten wie beispielsweise Alphörner, ergonomische Liegestühle, ein Logo für Robidog-Beutel und ein U-Boot für die Schwanen-Zählkommission.
1. April im laufenden Jahr
Die geneigte Leserschaft der digital Maurmer Zeitung hat es sicher gemerkt: das war nicht Ernst gemeint, sondern vielmehr ein Wink über die politisch gewollte Bevorteilung des Gemeindeblattes. Quasi ein zweiter „1. April“ im laufenden Jahr.
Nun aber zu den eigentlichen Neuigkeiten. Diese sind 1:1 und ohne Kommentare heute in der «Maurmer Post» abgedruckt und können auch auf der Webseite der Gemeinde eingesehen werden.
Die alten Neuigkeiten
Neu gibt es pro Ortsteil je einen Rundweg, samt Signalisation und Verbindungsstrecken. Das Wanderprojekt „Rund um Maur“ kostet 63‘000 Franken und wurde mit dem Verschönerungsverein Maur (VVM) ausgearbeitet. Eine grossartige Idee mit erheblichem Milizeinsatz von Seiten des VVM. Eine feierliche Einweihung erfolgt im September.
Mehrkosten für Klima- und Energieleitbild
Das Klima- und Energieleitbild wurde aktualisiert und mit messbaren Zielen ergänzt. In der Aussenwahrnehmung ist dies der erste strategische Entscheid des neu zusammen gesetzten Gemeinderates, mit immerhin zwei neuen Mitgliedern. Dies ging sehr schnell und wirft sonst auch einige Fragen auf: Vor allem zu den möglichen Mehrkosten und neuem Verwaltungs- bzw. Bürokratieaufwand in Zusammenhang mit der Schaffung eines regelmässigen Monitorings. Darüber schweigt der Gemeinderat in seiner Mitteilung.
Verbesserte öV-Infrastruktur
Die öV-Benutzerinnen und Benutzer in Binz und auf der Forch kommen in den Genuss einer verbesserten Infrastruktur. Die Kosten dafür sind nicht unwesentlich: Die provisorische Bushaltestelle Forch kostet den Maurmer Steuerzahlenden 77‘000 Franken, die Einrichtung der Haltestellen Gassacher und Friedlimatt ganze 265‘000 Franken.
Und auf zwei zwischenzeitlich ansprechend begrünten und für Kühlung sorgenden Flachdächern der Schulhäuser Pünt in Maur werden nun, mehrheitlich für den Eigenverbrauch, für 135‘000 Franken Photovoltaikanlagen aufgestellt.
Urnenabstimmung über Zivilschutz
Der Zivilschutz und dessen geplante regionale Reorganisation werden Gegenstand einer Urnenabstimmung im ersten Halbjahr 2027 sein. Die personellen Veränderungen in der Führung werden nun mit Interimslösungen überbrückt. Mischa Fuchs und Daniel Rohrer-Zweifel stehen der kommunalen Organisation neu vor.
Was geschieht bei dringenden Angelegenheiten?
Stimmt: So dringend und weltbewegend sind diese Mitteilungen nicht. Wenn aber über dringende Angelegenheiten (wie das jüngst verfügte Feuer- und Feuerwerksverbot) oder Rücktritte informiert werden muss, taugt die zelebrierte Sperrfrist zugunsten der «Maurmer Post» herzlich wenig. Dafür braucht es andere, sprich privat-finanzierte und fremde Kanäle, die genutzt und von den Verantwortlichen im Gemeindehaus respektiert werden. Die hoffentlich bald bevorstehende Aufhebung der Feuerverbots – gültig immer noch auch im eigenen Garten – ist der nächste Test dafür. (ag.)
