Die Farbe der Einigkeit

Dem Gemeinderat von Maur ist gelungen, woran die Weltpolitik seit Jahren scheitert: acht Menschen auf eine gemeinsame Linie zu bringen.

Nicht bei den Steuern. Nicht beim Verkehr. Nicht bei der Bauordnung.

Beim Sakko – auf dem Gruppenfoto für die neue Legislatur.

Dunkelblau dominiert. Dazu weisses oder hellblaues Hemd, helle Turnschuhe und jener entschlossene Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen «Wir hören Ihnen zu» und «Der Antrag wird an die Kommission überwiesen» pendelt. Es fehlt eigentlich nur noch das PKZ-Logo unten rechts im Bild – oder der Slogan einer Versicherung: «Damit Sie sich um nichts kümmern müssen.»

Die Botschaft ist klar: Hier regiert nicht das Ego, sondern der Dresscode.

Dabei steckt in diesem Gruppenbild erstaunlich viel Zeitgeist. Früher standen Gemeinderäte geschniegelt in Anzug und Krawatte vor dem Gemeindehaus. Heute trägt man Sneakers. Das signalisiert Bodenhaftung. Wer weisse Turnschuhe trägt, kann schliesslich kein abgehobener Politiker sein.

Selbst das historische Gemäuer der Burg im Hintergrund scheint sich dem Corporate Design unterzuordnen. Efeu, Naturstein und Fachwerk dürfen den Eindruck von Bodenständigkeit verstärken, während die Kleidung sagt: Wir könnten jetzt auch gleich in den Workshop «Gemeinde 2035» wechseln.

Und doch hat das Bild etwas Beruhigendes. In einer Welt, in der alle ständig ihre Individualität zelebrieren, setzt Maur auf das Gegenteil. Auf Harmonie. Auf Gleichklang. Auf Marineblau.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Fotos: Politische Mehrheiten sind vergänglich. Der Business-Casual-Look bleibt. (tre.)