«Maur ist für uns eines der Highlights»

Miriam Wagner spielte beim Tourneehalt des Theaters des Kantons Zürich in Maur im «Diener zweier Herren» die Beatrice und lieferte schauspielerisch und gesanglich eine beeindruckende Talentprobe ab. Im Gespräch erzählt sie, weshalb der Auftritt direkt am Greifensee für sie besonders war – und weshalb Openair-Theater immer auch ein kleines Abenteuer bleibt.

Es war einer dieser Sommerabende, an denen Maur seine ganze Schönheit ausspielt: die Wiese beim Restaurant Schifflände, der Greifensee in unmittelbarer Nähe, dahinter das langsam verblassende Licht. Während sich über dem Wasser ein grandioser Sonnenuntergang entfaltete, spielte das Theater des Kantons Zürich Carlo Goldonis «Diener zweier Herren» unter freiem Himmel. Mittendrin: Miriam Wagner als Beatrice. Nach dem bejubelten Auftritt sprach sie über die Magie des Orts, das Spiel so nahe am Publikum – und über Maur als Theatergemeinde.

Miriam Wagner, Sie waren mit dem Theater des Kantons Zürich nach längerer Abwesenheit wieder in Maur. Wie hat sich dieser Abend angefühlt – mit Blick auf den Greifensee und bei diesem Sonnenuntergang?

Wir hatten im Gegensatz zum Publikum den Sonnenuntergang direkt vor Augen – er war ja hinter den Zuschauerinnen und Zuschauern. Für uns war das also ein richtiges Spektakel. Dass in Richtung Uster sogar noch ein Regenbogen bildete, machte die Szenerie schon fast kitschig-schön. Gerade auf der Sommertournee kommen wir an sehr unterschiedliche Orte. Aber Maur ist schon eines unserer Highlights. Das war es auch früher immer.

Weshalb? Wegen des Publikums – oder wegen des Orts?

Wegen beidem. Der Spielort ist aber grandios. Direkt am See, auf dieser Wiese – das ist besonders schön. Und gleichzeitig merkt man, dass Maur ein theateraffines Publikum hat. Da ist die Nähe zu Zürich spürbar. Es ist nicht einfach ein Auftritt irgendwo auf dem Land. Gleichzeitig ist es aber sehr stark ein Anlass für die Gemeinde. Man merkt: Hier kommen die Leute zusammen. Das ist schön.

Der Diener zweier Herren Von Carlo Goldoni Theater Kanton Zürich Premiere: 16.05.2026 Besetzung und Team Katharina von Bock 
Michael von Burg 
Manuel Bürgin 
Axel Julius Fündeling 
Pit-Arne Pietz 
Doris Schefer 
Miriam Wagner 
Edith Kaupp Rivadeneira Regie 
Niklaus Helbling Bühne 
Alain Rappaport Kostüme 
Luisa Beeli Musik 
Felix Huber Choreografie 
Salome Schneebeli Licht 
Patrick Hunka Dramaturgie 
Wolfgang Stockmann Regieassistenz 
Cybèle Zinsli

Es war lange unsicher, ob die Vorstellung wegen der Wetterlage wirklich draussen stattfinden kann. Wie bereitet man sich als Schauspielerin auf solche Situationen vor?

Am Tag zuvor spielten wir in Winterthur. Wir waren überzeugt, dass es nicht regnet – dann kamen die Wolken doch näher. In solchen Momenten wird das Publikum darauf vorbereitet, dass man unter Umständen unterbrechen muss. Vielleicht kann man später weiterspielen, vielleicht macht man die Pause kürzer. In Winterthur mussten wir schliesslich ganz abbrechen, weil es durchgeregnet hat.

Was bedeutet das für die Schauspielerinnen und Schauspieler?

Man muss vor allem die Requisiten im Blick haben. Sie müssen bereitstehen, aber gleichzeitig so, dass sie bei Regen nicht klatschnass werden. Die Technik hilft da enorm schnell und beeindruckend. Aber gerade die Techniker können einem bei solchen Wetterwechseln wirklich leidtun: Sie müssen dann im strömenden Regen abbauen oder alles abdecken. Für uns auf der Bühne ist schwierig, dass bei einem Unterbruch der ganze Energiefluss reisst. Man ist mitten drin – und plötzlich ist alles offen.

Die Sommertournee hat etwas von einer Wanderbühne: Das Theater kommt zu den Leuten. Ist das ein besonderes Gefühl?

Ja, genau. Und man merkt sehr deutlich, wo eine Gemeinde diesen Anlass wirklich mitträgt. Dann hat man als Schauspielerin das Gefühl: Wir kommen zu Besuch. Nicht das Publikum kommt in unser Theater, sondern wir kommen zu den Leuten. Das macht einen grossen Unterschied.

Wie war das in Maur?

Die Organisation läuft dort über die Kulturkommission. Oft werden wir an solchen Orten begrüsst, manchmal auch verabschiedet, manchmal gibt es sogar eine kleine Aufmerksamkeit. Wichtig ist auch, wenn rundherum etwas angeboten wird – ein Ausschank, ein Kuchenstand, ein Grill. In Maur hat das Restaurant Schifflände den Ausschank übernommen. Das ist immer wertvoll, weil es den Abend zu einem richtigen Anlass macht.

In Maur war die Bühne sehr nahe am Publikum. Wie spielt es sich in dieser speziellen Situation?

Das war besonders. Wir hatten dort die kleine Tribüne, also waren wir wirklich sehr nah an den Leuten. Am Tag zuvor spielten wir mit der grösseren Tribüne, da sind noch ein paar Reihen mehr dazwischen. In Maur war alles kompakt. Das ist schön, aber auch speziell. Jeder Ort ist anders: Der Boden ist anders, man steht anders, die Türen gehen anders auf. Man muss früh da sein, alles ausprobieren und sich neu einstellen.

Das Bühnenbild wirkt wie ein Theater aus der Kiste: kompakt, mobil, anpassungsfähig.

Das wird bei uns seit Jahren praktiziert. Aber für Leute, die neu dazukommen, etwa im Bühnenbild, ist es eine grosse Herausforderung. Die Bühne muss überall funktionieren – und sie muss sich jedem Ort anpassen. Das ist gar nicht so einfach.

Mein 13-jähriger Sohn sagte nach der Vorstellung: «Ich dachte, das sei langweilig, aber es ist richtig spannend und lustig.» Was bedeutet Ihnen ein solches Feedback?

Das freut mich sehr. Ich freue mich immer, wenn Kinder im Publikum sind. Kinder lachen oft an anderen Stellen als Erwachsene. Das ist sehr interessant. Und je nach Gemeinde reagiert das Publikum ohnehin unterschiedlich.

Wie würden Sie den Humor der Maurmerinnen und Maurmer beschreiben?

Ein bisschen sophisticated. Aber das Publikum war sehr zugeneigt. Man spürte eine grosse Offenheit. Es macht etwas mit einer Gemeinde, wenn sie einen Ort hat, an dem sie für einen Moment zusammenkommen kann.

Sie haben durch Ihren Mann, der aus Ebmatingen stammt, auch persönliche Bezüge in die Gemeinde. Wie ist es, vor Leuten zu spielen, die man kennt?

Das ist speziell. Normalerweise sage ich: Wer mich kennt, soll sich nicht in die erste Reihe setzen. Aber meine Schwiegermutter meinte, sie würde gerne vorne sitzen, mich aber nicht anschauen, damit es mich nicht irritiert. In Maur sassen dann trotzdem viele Bekannte sehr nah. Ich habe versucht, nicht direkt hinzuschauen.

Openair sieht man als Schauspielerin das Publikum stärker als im Theaterraum. Verändert das das Spiel?

Sehr. Am Anfang ist es draussen oft noch hell, man sieht alles: das Publikum, die Umgebung, den Betrieb rundherum. Diese richtige theatrale Situation entsteht oft erst nach der Pause, wenn es eindunkelt und das Drumherum langsam verschwindet. Darum spielen wir im Sommer auch so spät. In einem Theaterraum sieht man das Publikum normalerweise kaum. Draussen ist das ganz anders.

Was möchten Sie den Maurmerinnen und Maurmern nach diesem Abend mitgeben?

Dass sie eine sehr schöne Gemeinde haben – und dass sie sich ruhig öfter solche Anlässe gönnen sollten, bei denen sie zusammenkommen. Maur ist idyllisch. Man spielt dort wirklich in der Landschaft drin, nicht irgendwo auf einem Parkplatz. Das macht etwas aus. Für uns war es ein sehr schöner Abend. Wir spielen in Maur wirklich gerne.

Interview: Thomas Renggli