Ebmatingen kämpft um seinen historischen Dorfkern

An der Chalenstrasse 7 in Ebmatingen sind drei neue Mehrfamilienhäuser geplant – mitten im historischen Dorfkern. In der Nachbarschaft sorgt das Baugesuch bereits für Unruhe. Kritisch beurteilt wird neben der Dimension des Projekts auch die geplante Tiefgaragenzufahrt vom steilen Teil der Chalenstrasse aus.

Ausgerechnet dort, wo Ebmatingen noch etwas von seinem früheren Charakter als Bauerndorf bewahrt hat, soll nun kräftig gebaut werden. Wie aus dem in der «Maurmer Post» vom 26. Juni publizierten Baugesuch hervorgeht, plant die Bauherrschaft an der Chalenstrasse 7 den Neubau von drei Mehrfamilienhäusern. Zudem sollen ein denkmalgeschütztes Wohnhaus mit Scheune saniert und umgebaut sowie ein Waschhaus durch einen Ersatzneubau ersetzt und künftig als Wohnhaus genutzt werden.

Brisant ist die Lage: Das Grundstück befindet sich in der Wohnzone W2 45 % und in der Kernzone. Also genau dort, wo alte Strukturen, enge Wege und historische Bauten das Dorfbild noch prägen. Drei Mehrfamilienhäuser sind an diesem Ort nicht einfach drei zusätzliche Gebäude. Sie verändern Proportionen, Verkehr und Atmosphäre.

Nachbarn prüfen Rekurs

In der Nachbarschaft wird das Projekt mit Argwohn verfolgt. Nach Informationen dieser Zeitung haben mindestens zwei Personen bei der Gemeinde bereits die Zustellung des baurechtlichen Entscheids verlangt. Damit halten sie sich die Möglichkeit offen, später Rekurs zu erheben.

Besonders kritisch gesehen wird auch die geplante unterirdische Zufahrt direkt in die Tiefgarage. Sie soll vom steilen Teil der Chalenstrasse (Bild oben) aus erfolgen. Für die Anwohnerschaft stellt sich damit die Frage, wie sich zusätzlicher Verkehr und Ein- und Ausfahrten auf Sicherheit und Dorfkern auswirken.

Vom Bauerndorf zur Luxusadresse

Der Fall Chalenstrasse steht exemplarisch für eine Entwicklung, die Ebmatingen seit Jahren verändert. Aus dem früheren Bauerndorf wird Schritt für Schritt eine begehrte Wohnadresse für Gutverdienende. Alte Häuser geraten unter Druck, Neubauten rücken nach, Miet- und Kaufpreise steigen weiter.

Rechtlich mag vieles möglich sein. Ortsbaulich bleibt die Frage: Wie viel Verdichtung verträgt ein historischer Dorfkern, bevor er nur noch Kulisse ist?

Die Pläne liegen während 20 Tagen seit Bekanntmachung bei der Abteilung Hochbau und Planung Maur auf. Danach dürfte sich zeigen, ob aus dem Unbehagen in der Nachbarschaft formeller Widerstand wird. (tre.)