Raymond Guggenheim (1945 bis 2026)
Raymond Guggenheim war ein aussergewöhnlicher Mensch, ein unermüdlicher Helfer für die Armen und ein liebevoller Ehemann, Vater und Grossvater. Sein Leben war geprägt von Neugier, Tatkraft und der tiefen Überzeugung, dass Helfen keine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine menschliche Pflicht ist. Am 2. Juni verabschiedete sich der 81-jährige Maurmer in die Ewigkeit. Ein Nachruf.
Mehr als vier Jahrzehnte lebte Raymond Guggenheim mit seiner Frau Silvia auf der Forch. Sein Zuhause war sein Ruhepol – und zugleich Ausgangspunkt eines Lebens, das ihn weit über die Grenzen der Schweiz hinausführte.
In Amerika geboren, am Bodensee zur Schule gegangen und an der Hochschule St. Gallen zum Betriebswirtschafter ausgebildet, machte Guggenheim zunächst Karriere als Finanzchef eines internationalen Unternehmens. Doch das rastlose Berufsleben forderte seinen Preis. Mit 50 Jahren zog er einen Schlussstrich und wandte sich einer Aufgabe zu, die ihn fortan erfüllte: dem Reisen, der jüdischen Geschichte – und immer stärker der Hilfe für Menschen in Not.
Mit «Jewish Culture Tours» führte er zahlreiche Kulturreisen vor allem nach Osteuropa und in die Ukraine durch. Dort begegnete er Menschen, deren Schicksale ihn nicht mehr losliessen.
Helfen als Lebensauftrag
Ein Besuch in einem maroden Spital in den ukrainischen Karpaten wurde für Guggenheim zum Schlüsselerlebnis. Weil selbst das Geld für die Reparatur einer defekten Toilette fehlte, beschloss er kurzerhand, das Krankenhaus zu renovieren. Gemeinsam mit jungen Freiwilligen setzte er sein Vorhaben um.
Aus einzelnen Hilfsaktionen entstand der gemeinnützige Verein «Lifeline.help», den Guggenheim mit Freunden gründete. Er unterstützte Schulen, Spitäler, Suppenküchen und Tagesstätten für schwerstbehinderte Jugendliche. In Czernowitz ermöglichte er Kindern, die hungrig zur Schule kamen, täglich eine warme Mahlzeit.
«Im Judentum ist Wohltätigkeit das oberste Gebot. Für mich ist Helfen deshalb eine Pflicht», sagte er einst. Es war kein schöner Satz für Sonntagsreden, sondern die Leitlinie seines Lebens.
Hoffnung inmitten des Krieges
Mit dem Krieg in der Ukraine wurde sein Einsatz noch dringlicher. Guggenheim organisierte Hilfstransporte mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kleidung und medizinischem Material. Er kümmerte sich um traumatisierte Kinder, Flüchtlingsfamilien und schwer verletzte Veteranen. Dabei verlor er nie den Blick für das Kleine, Menschliche: für ein Kind, das wieder spielen konnte, oder für eine geflüchtete Mutter aus Charkiw, die in Czernowitz erneut eine kleine Bäckerei aufbaute.
«Die Kinder geben diesen Menschen noch einen Funken Hoffnung», sagte Guggenheim in einem Interview mit der Maurmer Zeitung. Dieser Hoffnung galt sein Einsatz – hartnäckig, grosszügig und voller Mitgefühl.
Raymond Guggenheim war ein Menschenfreund im wahrsten Sinne des Wortes. Einer, der nicht wegschauen konnte und nicht wegschauen wollte. Sein Wirken bleibt: in den Menschen, denen er Würde, Nahrung, Schutz und Hoffnung schenkte – und in der Erinnerung an einen Maurmer, dessen Herzlichkeit, Fürsorge und Grosszügigkeit alle Menschen einbezog. Wir verneigen uns vor dieser grandiosen Persönlichkeit und ihrem Lebenswerk – und hoffen, dass er im Himmel seinen Frieden findet. Vielen Dank für alles Herr Guggenheim! (tre.)
