Die Milchhütte schliesst für immer

Die Milchhütte in Binz schliesst ihre Türen endgültig. Damit verliert der Ortsteil nicht nur ein Geschäft, sondern auch einen jahrzehntelangen Treffpunkt mit Dorfcharakter.

Die Nachricht traf viele Einwohnerinnen und Einwohner nicht überraschend – und doch mit voller Wucht. Seit längerer Zeit wurde im Dorf darüber spekuliert, wie lange sich die traditionsreiche Milchhütte noch halten könne. Nun ist klar: Das kleine Ladenlokal im Dorfzentrum wird endgültig geschlossen.

Am Eingang der Filiale hängt seit dieser Woche ein Schreiben von Weber Comestibles, das keinen Interpretationsspielraum offenlässt. «Schweren Herzens» müsse man mitteilen, dass die Weber-Filiale Binz geschlossen werde, heisst es darin. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, jemanden zu finden, der «das Lädeli so führen könnte, dass es für die Nachbarschaft weiterhin Sinn macht».

Wirtschaftlicher Druck

Als Gründe nennt das Unternehmen die «infrastrukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen». Diese würden grundlegende Konzeptanpassungen nicht zulassen. Damit endet die Geschichte eines Geschäfts, das für viele weit mehr war als bloss ein Ort zum Einkaufen.

Die Milchhütte gehörte über Jahrzehnte zum Alltag in Binz. Hier kaufte man nicht nur Milch, Brot oder Käse, sondern tauschte Neuigkeiten aus, begegnete Nachbarn und pflegte spontane Gespräche. Gerade in kleineren Orten erfüllen solche Quartierläden oft auch eine soziale Funktion.

Hoffnung auf eine Zukunft

Ganz aufgegeben haben die Betreiber das «Milchhüsli» allerdings noch nicht. Im Schreiben betont Weber Comestibles, das Lokal liege ihnen «sehr am Herzen». Es wäre «wunderschön, wenn es weiterleben könnte». Deshalb ruft das Unternehmen dazu auf, sich zu melden, falls jemand Ideen für eine Nachfolgelösung habe oder das Geschäft übernehmen beziehungsweise mieten möchte.

Bis dahin verweist Weber Comestibles auf die Filiale in Zollikerberg, wo man weiterhin «mit ganzem Herzblut» für die Kundschaft da sein wolle.

Für Binz aber geht mit der Schliessung ein Stück Dorfgeschichte zu Ende.

Thomas Renggli