Weshalb es unabhängigen Journalismus in Maur braucht

Am 1.April, drei Tage nach Veröffentlichung des in der «Maurmer Post» publizierten Artikels «Mehr Maurmer Mietwohnungen für Asylsuchende» bat ich die Redaktion der «Maurmer Post» um Veröffentlichung meines untenstehenden Leserbriefes. Der Brief wurde nicht veröffentlicht. Auf mein Nachfragen erhielt ich zwei Wochen später von der Chefredaktorin folgende Antwort:

Danke für Ihre Zuschrift, wir werden Ihren Leserbrief nicht veröffentlichen.
Wie Sie vermutlich wissen, darf eine Redaktion einen Leserbrief ohne Angabe von Gründen ablehnen. Das hält der Schweizer Presserat fest.
Gerne erläutere ich Ihnen aber, dass wir ehrverletzende, attackierende oder diskriminierende Inhalte grundsätzlich ablehnen. Gleiches gilt für Beiträge, die für unsere Leserinnen und Leser keine weiterführende Einordnung beinhalten. 

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Anne-Friederike Heinrich

Ich konnte beim besten Willen nicht herausbekommen, was an meinem Leserbrief ehrverletzend, attackierend, oder diskriminierend ist. (In den Richtlinien «Maurmer Post» vom 27. März 2025 gibt es übrigens als Ablehnungsgrund attackierend nicht). Eventuell ist es ehrverletzend, wenn man sagt, dass die politisch Verantwortlichen nichts sagen, dass sie schweigen oder dass ein Journalist vergessen hat, Meinungen der Abstimmungsgewinner einzuholen. Dass die Maurmer Post seit dem März 2025, den Presserat als Kontrollinstanz nicht mehr anerkennt, sich aber darauf beruft, wenn es für sie passt, sollte zu denken geben. Entweder man anerkennt den Presserat oder anerkennt ihn nicht.

Wir erwarten nicht, dass sich die «Maurmer Post» grundsätzlich ändert. Wir verlangen nur, dass in der Maurmer Post eine gewisse Anzahl Seiten für unabhängigen, unzensurierten Journalismus Dritter zur Verfügung stehen. Alles im Sinne eines fairen und offenen demokratischen Diskurses innerhalb der Gemeinde Maur.
(ple.)

DER ABGEWIESENE LESERBRIEF

Guter Journalismus

Die Schlacht um die beiden Asylvorlagen ist geschlagen. Beide Vorlagen wurden abgelehnt. Gewonnen hat nicht die FDP, nicht die SVP, nicht die Mitte, nicht die GLP. Sie alle wurden von der «Maurmer Post» um eine Stellungnahme zum Abstimmungsresultat gebeten. Gewonnen hat die Interessengemeinschaft Lohwis, vertreten durch Verena Keller, gewonnen hat Alex Gantner. Beide mit ihren selbstfinanzierten Inseratenkampagnen. Gewonnen hat die SP.

Im offiziellen Publikationsorgan der Gemeinde, der «Maurmer Post», «hört» man nichts von den politischen Verantwortlichen. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass die beiden Vorlagen zu einem schwer verdaulichen Paket geschnürt wurden. Die Empfehlung des Bezirksrats die beiden Vorlagen aufzuteilen, haben Sie vor dem Verwaltungsgericht angefochten. Sie hüllen sich in Schweigen. Offenbar gibt es keinen Plan B. Sie wollen sich erst in den kommenden Wochen damit befassen, wie sie mit dem Abstimmungsresultat umgehen werden.

Dafür darf der in Maur unbekannte Journalist Ueli Abt die Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde, Anette Fahrni, interviewen. Nicht über die Abstimmung, sondern über die Auswirkungen der Ablehnung. Da gibt es nichts Neues. Das ist im Prinzip der Status quo. Alles bleibt gleich. Die Container Lohwis sind momentan nur schwach belegt. Mit ihrem Rückbau wird es keinen Notstand geben. Wenn die Maurmer Post Journalismus ernst nimmt, hätte sie neben der SP alle Gewinner um eine Stellungnahme bitten sollen. Das macht man so. Das ist guter Journalismus. Man lässt beide Seiten zu Wort kommen. Es wäre doch interessant zu wissen, ob zumindest die Gewinner einen Plan B haben.

Peter Leutenegger, Maur