Versöhnliche Töne im Zeitungsknatsch

Tauwetter am Greifensee. In der Gemeinde Maur, wo seit geraumer Zeit ein veritabler Zeitungs-Konflikt im Gange ist, werden versöhnliche Töne angestimmt. An ihrer zweiten Generalversammlung präsentiert die Maurmer Zeitung erfreuliche Zahlen — und reicht der Gemeinde die Hand für eine konstruktive Lösung im Sinne des gesunden Menschenverstands.

In den historischen Gemäuern der Mühle Maur lud der «Verein Maurmer Zeitung» zu seiner zweiten Generalversammlung. Unter der Leitung von Präsident Peter Leutenegger (im Bild oben) stand die Versammlung im Zeichen der Frühlingsgefühle — wirtschaftlich wie strategisch.

Deutlich verbesserte Zahlen

Die Rechnung fällt erfreulich aus. Der Aufwand konnte gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert werden: von rund 58’700 Franken auf knapp 29’700 Franken. Der grösste Posten bleibt die Produktion und der Versand der Zeitung mit rund 29’100 Franken — allerdings deutlich weniger als im ersten Jahr.

Unter dem Strich resultiert ein Betriebsgewinn von rund 7’500 Franken, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von über 14’500 Franken verbucht worden war. Rund 180 Klubmitglieder tragen das Projekt mittlerweile finanziell mit. Auch die Bilanz zeigt eine Stabilisierung: Die flüssigen Mittel stiegen auf über 7500 Franken, der Verlustvortrag konnte reduziert werden und soll in den kommenden Jahren weiter abgebaut werden.

Florian A. Lehmann als Zuzug

Neben den Zahlen wurde mit dem erfahrenen Journalisten Florian A. Lehmann ein versierter Berufsschreiber in den Vorstand gewählt. Der gebürtige Küsnachter wohnt seit geraumer Zeit in Ebmatingen und bringt die Erfahrung aus rund viereinhalb Jahrzehnten Journalismus in Vorstand und Redaktion mit ein. Derzeit ist der passionierte Eishockeyspieler (und ZSC-Fan) unter anderem für den «Tages-Anzeiger» tätig.

Daneben sorgte vor allem der strategische Ausblick für Aufmerksamkeit. Präsident Peter Leutenegger schlug versöhnliche Töne an: «Es braucht in Maur nicht zwei Zeitungen, aber eine richtige.»

Er könne sich Gespräche mit der Gemeinde über einen gemeinsamen Weg von «Maurmer Post» und «Maurmer Zeitung» vorstellen. Auch eine konkrete Idee liegt auf dem Tisch: «Weshalb gibt man in der «Maurmer Post» nicht eine gewisse Anzahl Seiten für unabhängigen Journalismus frei.»

Konflikt mit Vorgeschichte

Der Streit hat eine längere Geschichte. Seit 1975 existiert die «Maurmer Post» als lokale Informationsplattform. 1999 beschloss die Gemeindeversammlung einen jährlich wiederkehrenden Kredit von 230’000 Franken — verbunden mit dem Auftrag, eine behördenunabhängige, journalistisch geführte Wochenzeitung sicherzustellen.

Nach Ansicht des Vereins «Maurmer Zeitung» wurde dieser Auftrag 2025 aufgeweicht. In neuen Richtlinien verzichtet die Redaktion unter anderem auf Analysen, Kommentare und Recherchen zu politischen Themen.

Genau hier setzt die «Maurmer Zeitung» an. Ziel sei die Rückkehr zu den ursprünglichen journalistischen Grundsätzen. Der Weg dorthin soll über Gespräche und letztlich einen Entscheid der Gemeindeversammlung führen.

Nach Monaten mit teilweise scharfen Tönen deutet damit einiges auf Tauwetter am Greifensee hin. Die Maurmer Zeitung signalisiert jedenfalls Gesprächsbereitschaft — und setzt auf Kooperation statt Konfrontation. Auch kulinarisch passte der Rahmen: Am geselligen Apero wurde rege diskutiert und auf die Zukunft angestossen.

Text: Thomas Renggli Bilder: Tatiana Bogdanova