«New Zurich» – ohne Maur

Der Wirtschaftsraum rund um den Flughafen wächst und könnte sich neu positionieren. Die Vision «New Zurich» steht im Raum. Maur bleibt klar Richtung Zürich orientiert.

Vor einigen Tagen sorgte das Projekt «New Zurich» in den Medien für Diskussionen. Viele interpretierten die Idee als politisches Gegenmodell zum links-grün geprägten Zürich. Doch anlässlich eines Referats auf Einladung des Wirtschaftsforums Uster zeigte sich ein deutlich differenzierteres Bild.

14 Flughafengemeinden

Referent Thomas Sevcik, der über internationale Erfahrung verfügt und zahlreiche wirtschaftliche sowie kulturelle Grossprojekte begleitet hat, präsentierte das Vorhaben als wirtschaftliche Entwicklungsstrategie. Im Auftrag eines Vereins der 14 Flughafengemeinden – Maur gehört nicht dazu – erarbeitet Sevcik derzeit ein Positionspapier zur Bedeutung des Wirtschaftsraums rund um den Flughafen Zürich. Dieses soll am 10. Juni vorgestellt werden.

Maur an Zürich angebunden

Sevcik betonte, dass sich der betrachtete Perimeter über das gesamte Glatttal bis nach Uster erstreckt. Maur hingegen sei klar in Richtung Zürich orientiert. «Unsere Erhebungen haben ergeben, dass die Gemeinde Maur fest an Zürich angebunden ist und sich nicht Richtung Glatttal entwickelt», erklärte Sevcik.

Kein Gegenprogramm

Die Idee von «New Zürich» versteht sich laut Sevcik nicht als Gegenprogramm zur Stadt Zürich, sondern als selbstbewusste Ergänzung. Ziel sei es, das wirtschaftliche und innovative Potenzial des Flughafenraums stärker zu bündeln. In diesem Gebiet leben und arbeiten rund 300’000 Menschen – etwas weniger als in der Stadt Zürich selbst.

Beispiel Seattle

Die Dynamik in diesem Raum sei besonders hoch, so Sevcik weiter. Vergleichbare Entwicklungen gebe es weltweit. Als Beispiel nannte er den Grossraum Seattle in den USA, wo sich östlich der Stadt über Jahre ein eigenständiger Wirtschafts- und Kulturraum entwickelt habe.

Entscheidend wird laut Sevcik sein, ob die Gemeinden künftig stärker zusammenarbeiten und gemeinsame Strukturen schaffen. Erst dann könnte aus der Idee tatsächlich ein «New Zurich» entstehen.

Christoph Lehmann