Asyl-Ausbau: Millionen für ein Problem von gestern?

Am 8. März 2026 stimmt die Bevölkerung von Maur über Millioneninvestitionen in den Asylunterkünften in Ebmatingen (Lohwisstrasse) und Aesch (Tobelstrasse) ab. Dabei geht die Gemeinde von fragwürdigen Fakten aus.

Zur Wahl stehen 4,7 Millionen Franken für den Ausbau der beiden Standorte und für die formelle Überführung des bestehenden Asylprovisoriums Lohwis in eine definitive Unterkunft – oder 2,7 Millionen für eine abgespeckte Variante. Was in den Unterlagen auffällt: Die Gemeinde plant, als stünde der nächste Asyl-Höchststand unmittelbar bevor.

Nur: Das Gegenteil ist der Fall.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) meldet für 2025 sinkende Asylgesuche, weniger Schutzgesuche aus der Ukraine, weniger Pendenzen – und prognostiziert für 2026 einen weiteren leichten Rückgang. Auch die Nettozuwanderung nimmt ab. Der Druck auf Unterkünfte lässt nach.

Fehlende Szenarien mit rückläufigen Zahlen

Davon ist in den Maurmer Abstimmungsunterlagen wenig zu spüren. Es fehlen Szenarien mit rückläufigem Bedarf, belastbare lokale Prognosen – oder die simple Frage, ob bestehende Kapazitäten nicht ausreichen könnten. Stattdessen sollen die Stimmberechtigten Millionen bewilligen, inklusive Reserven «für Unvorhergesehenes», über deren Einsatz der Gemeinderat entscheidet.

Natürlich: Provisorien in definitive Lösungen zu überführen, kann sinnvoll sein. Doch gleich zwei Standorte auszubauen, ohne die veränderte Lage einzubeziehen, wirkt wie Planung im Rückspiegel.

Investitionsentscheidung

Oder mit anderen Worten: Diese Abstimmung ist kein Bekenntnis zur Humanität, sondern eine nüchterne Investitionsentscheidung. Und Investitionen sollten auf aktuellen Fakten beruhen – nicht auf Annahmen, die der Bund längst relativiert hat. (ple.)