ARA Maur: RPK-Schelte an Gemeinderat

Seit Samstag liegen den Stimmberechtigten via Spezialversand der Gemeindeverwaltung die korrekten Weisungen zum «Kredit Asylunterkünfte Tobelstrasse und Lohwis – Ersatzneubau und Erweiterung» sowie zur «Kreditgenehmigung Aufhebung der ARA Maur und Umbau zum Pumpwerk sowie Anschlussleitung zur ARA Bachwis in Fällanden» vor.

Im offiziellen Versand zu Beginn der vergangenen Woche mit allen Abstimmungs- und Wahlunterlagen waren bei beiden Weisungen die Deckseiten vertauscht worden. Dies führte zu Verwirrung und formell falschen Unterlagen.

Beim knapp 16 Millionen Franken schweren Kreditantrag für die ARA Maur wird nun erstmals Erstaunliches bekannt. Die fünfköpfige Rechnungsprüfungskommission (RPK) unter dem zurücktretenden Präsidenten Pascal Scacchi (SVP) und vier FDP-Mitgliedern (René Gonthier, Andreas Mosimann, Karin Stamm und Franziska Kristensen), die allesamt bei den Wahlen 2026 erneut antreten, zeigt sich «nicht erfreut über die grossen Kostenschwankungen innerhalb des Projekts».

Weiter hält die RPK fest, dass «gewisse Komponenten des Projekts nicht mit genügender Sorgfalt geplant wurden».
Bis anhin haben es sowohl die Werkkommission als auch der Gemeinderat versäumt, über die grossen Kostenschwankungen auch nur ansatzweise zu informieren – weder in der Maurmer Post noch an der ohnehin nur mässig besuchten Informationsveranstaltung im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom vergangenen Dezember. Gemäss Protokoll nahmen daran 587 Personen teil.

Was ist der Hintergrund der Rüge? Die RPK hat die Kostenaufstellung des vorliegenden Kredits detailliert analysiert und insbesondere mit den ursprünglich veranschlagten Kosten verglichen, die der Grundsatzabstimmung vom Juni 2023 an der Urne zugrunde lagen. Damals wurden die Gesamtkosten auf 14,6 Millionen Franken beziffert: 1,6 Millionen Franken für den Rückbau respektive Umbau der ARA Maur und 13 Millionen Franken für die Anschlussleitung nach Fällanden.

Heute präsentieren sich die Zahlen diametral anders. Inklusive Reserven von 15 Prozent belaufen sich die Kosten für das Pumpwerk in Maur nun auf 8,6 Millionen Franken – mehr als das Fünffache. Die Leitung nach Fällanden hingegen kostet inklusive Reserven und des Einkaufs ins Kanalisationsnetz der Nachbargemeinde nur noch 7,3 Millionen Franken, also etwas mehr als die Hälfte der ursprünglichen Summe.

Die RPK schreibt, dass seinerzeit für den Rückbau und Umbau der ARA Maur offenbar lediglich eine grobe Kostenschätzung vorgenommen worden sei. Zudem seien die Anforderungen an das Pumpwerk und der Umbau der Becken zu optimistisch geplant und gewisse Komponenten nicht berücksichtigt worden. Ebenfalls ausser Acht gelassen worden sei der notwendige – und naheliegende – Einkauf der Gemeinde Maur in den ARA-Zweckverband VSFM für die künftig erhöhte Abwasserfracht. Kostenpunkt: 1,01 Millionen Franken.

An dieser Stelle stellt die RPK die Kompetenz der Planer und Spezialisten, aber auch des Bestellers – des Gemeinderats Maur und seiner Werkkommission – infrage.

Die Kosten der Anschlussleitung wurden ursprünglich eher vorsichtig geplant. Hintergrund sei die Unsicherheit gewesen, wie aufwendig die Erstellung unter Bächen, Naturzonen, Strassen und Velowegen ausfallen würde, schreibt die RPK. Unter dem Strich kostet die gesamte Investition in die Maurmer Abwasserreinigung nun knapp 16 Millionen Franken (inklusive Reserven) statt der vor knapp drei Jahren prognostizierten 14,6 Millionen Franken (ohne Reserven).

Die Weisung offenbart zudem, dass per Ende 2032 eine ausserordentliche Abschreibung von rund 325’000 Franken auf dem Restbuchwert der Anlage in Maur notwendig wird. Für die Bevölkerung finanziell deutlich relevanter ist jedoch die ebenfalls erstmals publizierte Information, dass die Abwassergebühren erhöht werden müssen: um 45 Rappen pro Kubikmeter Frischwasserverbrauch sowie bei der Grundgebühr um 10 Rappen pro gewichteten Quadratmeter.

Im Zusammenhang mit dem im letzten Jahr an der Urne bewilligten 86-Millionen-Ausbau der ARA in Fällanden dürften die Gebührenanpassungen allerdings noch höher ausfallen, wie der Gemeinderat verklausuliert festhält.

Alex Gantner