100 Jahre Traurigkeit

Der vom Bundesrat ausgerufene nationale Trauertag für die schreckliche Feuerkatastrophe von Crans-Montana fand vor über zwei Wochen statt. In Maur sind die Fahnen am Samstag immer noch auf Halbmast. Vergesslichkeit, oder liegt mehr dahinter?

Gemäss Medienmitteilung des Bundesrats vom 7. Januar werde Freitag, 9. Januar landesweit der Erinnerung an die Todesopfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana, der Solidarität mit den Verletzten und der Verbundenheit mit allen Betroffenen gewidmet. Dazu: Landesweite Schweigeminute, Kirchengeläut, Gedenkzeremonie in Martigny. Und Fahnen auf Halbmast.

Maurmer Solidarität

Auch die Gemeinde Maur schloss sich den Zeremonien an. Die Fahnen vor dem Gemeindehaus wurden mutmasslich bereits anfangs jener Woche auf Halbmast gesetzt, denn nur so konnte die «Maurmer Post» in ihrer Ausgabe vom 9. Januar auf Seite 3 ein entsprechendes Bild mit Text publizieren. Auch die Kirchenglocken läuteten. Auch in Maur wurde am frühen Nachmittag innegehalten.

Maurmer Nachlässigkeit

Was nun aber betreffend der Fahnen vor dem Gemeindehaus – und ebenfalls an der Schifflände – seit über zwei Wochen passiert, irritiert den aufmerksamen Beobachter: Wie ist es möglich, dass diese immer noch auf Halbmast stehen? Die Situation ist wohl einzigartig in der Schweiz und könnte auch als zunehmend respektlos gegenüber den vielen Betroffenen von Crans-Montana angesehen werden. Wie kann es sein, dass unzählige Werkarbeiter, Angestellte im Gemeindehaus und die das Gemeindehaus regelmässig frequentierenden Politikerinnen und Politiker nicht wahrnehmen, dass hier noch eine optische und sehr sensible Pendenz vorliegt und diese niederschwellig zwecks schneller Behebung intern melden?

Fragen zu Arbeitsaufträgen und Führung

Am Schluss gibt es Verantwortliche. Jemand – oder sogar ein kleines Team – hat die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Das war ein Auftrag, der wohl am ersten oder zweiten Arbeitstag im Jahr unmittelbar umgesetzt wurde. Man könnte erwarten, dass die gleichen Personen dann auch die Fahnen wieder auf Vollmast hissen. Dies Ausführung müsste auch kontrolliert werden, im Sinne von: Auftrag zweimal erfüllt, besten Dank. Hier ist offensichtlich etwas oder in mehrerer Hinsicht schief gelaufen. 

Kompliziertes Organigramm

Gemäss Organigramm der Gemeindeverwaltung per 1. Januar 2026 sind für einen Aussenstehenden die Abteilungsleitungen „Tiefbau und Sicherheit“ (für die Leitung der Unterhaltsdienste) oder Liegenschaften (für die Leitung Facility Management) zuständig. Etwas ist klar: Die Gesamtverantwortung liegt beim Gemeindeschreiber, dessen Büro quasi in Blickdistanz zu den Fahnenmasten vor dem Gemeindehaus liegt. 

Sehen, zuhören und mitdenken

Fehler können passieren. Nur reiht sich dieses Malheur in eine Reihe von optischen Pendenzen ein: Die Instandstellung der umgefahrenen Signalisationstafel vor dem Zollingerheim in Aesch (die Maurmer Zeitung berichtete), die schnelle Übermalung von Sprayereien, die Ausbesserungen von Strassenlöchern (Bachtelstrasse, Ebmatingerstrasse). Es bleibt zu hoffen, dass dieser Fehlstart ins Jahr nicht symbolisch für die grossen anstehenden Projekte stehen wird: Dazu braucht es offene Augen, die Bereitschaft, zuzuhören, ein ergebnisoffenes Mitdenken. Und präzises Handeln. Auch im Kleinen, jeden Tag. Das ist Service public. (egs.)