Maur diskutiert, der Fussball Club bangt

Es gibt Orte, da wächst der Fussball schneller als die Politik. Maur gehört dazu. Während der FC Maur in den vergangenen Jahren Dutzende von Kindern abweisen musste und aufgrund der prekären Platzverhältnisse regelmässig Trainings absagen muss, diskutiert die Gemeinde darüber, ob ein Mini-Kunstrasen das Problem lösen könnte. Ein Platz, so klein, dass D-Junioren nur mit Sonderbewilligung darauf Meisterschaft spielen dürften. Ein Pflästerli für eine offene Wunde. Am Montag weist die Gemeindeversammlung die Richtung.

Man muss es ansprechen: Der Fussball in Maur ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Über 200 Kinder rennen dem Ball nach. Und die Warteliste ist so lange, dass für potenzielle Neueinsteiger keine Chance besteht. Weil die Trainingsfelder überfüllt sind. Weil der Naturrasen im Winter gesperrt ist. Deshalb müssen auch die Aktivmannschaften des FC Maur im Winterhalbjahr nach Schwamendingen oder auf den FIFA-Campus ausweichen. Notabene ausgerechnet in einer Phase, in der der FC Maur so erfolgreich ist wie noch nie – und erstmals in der 3. Liga spielt.

Natürlich: Der kleine Kunstrasen, über den am Montagabend im Loorensaal abgestimmt wird, ist unabdingbar. Aber er löst das Problem ungefähr so wirkungsvoll wie ein Regenschirm bei einem Monsun. «Ein erster Schritt», sagen interessierte Beobachter. Gemeint ist: ein sehr kleiner.

Das eigentliche Thema ist ein anderes – und alle wissen es. Maur braucht einen richtigen Kunstrasen. Einen, auf dem Jugendliche und Erwachsene offizielle Spiele austragen können. Und einen, der verhindert, dass Fussballerinnen und Fussballer in fremde Quartiere auswandern müssen, weil im eigenen Dorf kein Platz ist.

Der Masterplan Looren verspricht die grosse Lösung. 20 Millionen Franken schwer, langfristig gedacht, auf Jahre hinaus entscheidend. Doch darüber bestimmt am Ende nicht die Gemeindeversammlung, sondern eine Urnenabstimmung. Bis dahin bleibt viel Raum für Diskussion – und wenig Platz für Fussball.

Die IG Sport sorgt sich um die Leichtathletik im Allgemeinen und den Speerwurf im Speziellen. Dieser braucht Naturrasen. Verständlich. Respektabel. Aber die Realität ist unerbittlich: In Maur gibt es derzeit einen ambitionierten Nachwuchsspeerwerfer – und hundertfache Nachfrage nach Fussball. Das Verhältnis ist so eindeutig wie ein 5:0 im Champions-League-Final zur Pause.

Es ist Zeit, Prioritäten zu setzen. Nicht gegen jemanden – sondern für die Jugend, die Breite, die Realität eines Dorfes, das lebt und wächst. Maur steht an einem Scheideweg: Entweder investiert es in Strukturen, die der Dynamik entsprechen – oder es schaut künftig zu, wie der Fussball ausweicht, in der begrenzten Infrastruktur feststeckt – und ins Offside gerät.

Der kleine Kunstrasen ist kurzfristige Symptombekämpfung. Der grosse Kunstrasen ist eine Zukunftsfrage.

Und die sollte sich Maur rasch und mutig beantworten.