Ein grosser Maurmer ist gegangen

Ludwig A. Minelli ist am 29. November, kurz vor seinem 93. Geburtstag, mit einer Freitodbegleitung gestorben. Der Gründer von Dignitas lebte seit vielen Jahren in Scheuren und fand in der Gemeinde Maur jenen Rückzugsort, den er in seinem intensiven beruflichen Leben kaum kannte.

Minelli begann seine Laufbahn 1956 bei der Tat und war ab 1964 der erste Spiegel-Korrespondent in der Schweiz. Seine wachsende Faszination für die Menschenrechte führte ihn 1977 zum Jus-Studium, das er 1981 abschloss. Mit 54 Jahren erwarb er das Anwaltspatent.

Engagement für Menschenrechte

Schon früh gründete er die SGEMKO, um die Europäische Menschenrechtskonvention in der Schweiz stärker zu verankern. Sein Grundsatz war klar: Der Staat soll dem Bürger dienen – nicht umgekehrt. Bis ins hohe Alter brachte er zahlreiche Verfahren vor Schweizer Gerichte und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Dignitas als Lebenswerk

1998 gründete Minelli die Sterbehilfeorganisation Dignitas. Sein Einsatz für das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende machte ihn schweizweit bekannt – und nicht selten zur umstrittenen Figur. Dass er selbst hin und wieder auf der Anklagebank sass, nahm er mit Gelassenheit und der Überzeugung, für eine gerechte Sache einzustehen

Abschied von einem Überzeugten

In Maur blieb Minelli trotz seiner öffentlichen Rolle ein zurückhaltender, nachdenklicher Nachbar. Die Gemeinde verliert mit ihm einen markanten, unbeirrbaren Charakter, der hier leise, aber konsequent seinen Weg ging.