Gekaufte Wahrheit: Wenn Gemeinderäte Redakteure feuern

Der Fall um die Gemeindezeitung in Küsnacht, wo der beliebte «Küsnachter» durch die behördlich gesteuerte Publikation «Küsnachter Bote» ersetzt wird, ist nur die Spitze des Eisbergs einer systematischen Aushöhlung der Pressefreiheit auf kommunaler Ebene. Hier zeigt sich exemplarisch, wie Politiker ihre Machtposition nutzen, um unbequeme Journalisten mundtot zu machen – mit der zynischen Begründung der «Kostenoptimierung».

Machtmissbrauch nach Lehrbuch

Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) lieferte eine Masterclass autoritärer Medienmanipulation: Erst wird das Verhältnis zur kritischen Redaktion für «zerrüttet» erklärt, dann die Chefredaktorin kaltgestellt, schließlich der Verlag via Submissionsverfahren entsorgt. Das Perfide: Man versteckt sich hinter angeblich wirtschaftlichen Argumenten, während in Wahrheit politische Zensur betrieben wird.

Die Gefälligkeitspresse-Falle

Mit dem neuen «Küsnachter Boten» installiert die Gemeinde ein Propagandaorgan nach Wunsch. Ein «mitgeprägter Beirat» der Gemeinde – euphemistischer kann man Zensurbehörde kaum umschreiben. «Kritische Rückmeldungen» bei unliebsamen Berichten seien «Teil der Kommunikationsarbeit», so Ernst unverblümt. Übersetzt: Wer nicht spurt, fliegt raus.

Systemisches Versagen

Das Küsnachter Modell breitet sich wie ein Krebsgeschwür aus. Überall ersticken Gemeinden die lokale Pressefreiheit durch finanzielle Abhängigkeiten. Lokalzeitungen, ohnehin am Existenzminimum, werden zu Bettlern um Gemeindeanzeigen und amtliche Mitteilungen. Wer zahlt, befiehlt die Melodie – und die Demokratie stirbt leise.

Journalismus als Dienstleistung

Die neue Dorfzeitung aus Zollikon wird zur billigen Schreibstube degradiert – Journalismus als austauschbare Dienstleistung zum Discount-Preis. 109’000 Franken für unterwürfige Hofberichterstattung statt kritischer Recherche. Ein Schnäppchen für Autokraten.

Demokratie in Auflösung

Wenn Gemeinderäte bestimmen, was gedruckt wird, ist die Gewaltenteilung Makulatur. Die vierte Gewalt wird zur fünften Kolonne der Mächtigen. Küsnacht ist überall – ein Menetekel für alle Gemeinden, wo Geld über Wahrheit triumphiert.

Der Preis der Unterwürfigkeit

Mit Manuela Moser verstummt eine kritische Stimme, mit dem «Küsnachter» stirbt ein Stück Demokratie. Was bleibt, ist gefällige Prosa für Politiker und eine Bürgerschaft, die systematisch entmündigt wird. Küsnacht 2025: Mission accomplished.

Dieser Text erschien zuerst im Blog www.bantliz.com