Greifenseeufer: Schadensbegrenzung

Im Frühling hatte eine Leserin der «Maurmer Zeitung» auf den radikalen Schilfschnitt am Greifensee hingewiesen. Nun wird deutlich: Es wurde mit Übereifer vorgegangen. Um den Schaden zu begrenzen, sperrt die Gemeinde Teile des Ufers ab.

Die Frau meldete sich telefonisch und schriftlich – und sie machte sich Sorgen um die Uferlandschaft am Greifensee. Kern ihrer Aussage: Durch einen radikalen Rückschnitt der Vegetation werde Flora und Fauna Schaden zugefügt. «Wir wollen keine zweite Badi Juch am Greifensee», sagte sie – mit dem Hinweis auf die teilweise fast schon chirurgisch zurückgeschnittene Uferbepflanzung.  Mit diesen Interventionen werde unerlaubterweise in die Schutzverordnungen am Greifensee eingegriffen – und damit die Umwelt gestört.

Der Gemeindeschreiber relativiert

Der Maurmer Gemeindeschreiber Christoph Bless spielte die Geschichte damals herunter. Beim Schilfschnitt handle es sich um einen normalen Vorgang. Er geschehe in Abstimmung mit dem Pflegeplan und mit der geltenden Schutzverordnung. Bless: «Zurückgeschnitten wird der Landröhricht (Schilf) nicht nur in der Badi, sondern rund um den ganzen See. Einzelne explizit vorgesehene Seezugänge waren zugewachsen und wieder auf vorgesehene Mass freigeschnitten worden».

Verklausulierte Meldung

Nun wird deutlich. Offenbar wurde tatsächlich etwas übermotiviert zur Sache gegangen. Die jüngste Meldung aus dem Gemeindehaus macht hellhörig.

In der Vergangenheit seien die Verantwortungen und die nötigen Unterhaltsmassnahmen in den naturnahen Erholungszonen nicht immer klar definiert oder bekannt gewesen, heisst es. «Entsprechend hatten sich Massnahmen aufgestaut, und ein grösserer Holzschnitt war angezeigt, um dem uferstabilisierenden Schilf wieder mehr Licht und Raum zu geben und um die Naturfenster zum See für die Erholungsuchenden wieder zu öffnen.»

Zu grosser Freischnitt?

Diese Unterhaltsmassnahmen wurden in den vergangenen Monaten ausgeführt. Aufgrund der erfolgten Freischnitte bedarf das Seeufer vorübergehenden Schutz, damit sich die gewünschte Vegetation wieder aufbauen kann. Zu diesem Zweck wurden an einigen Abschnitten zwischen Schifflände und Badi Maur temporäre Holzzäune aus zweilagigen, nicht imprägnierten Halbrundlatten gesetzt. Die dem Ufer seeseitig vorgelagerten Lahnungen wurden zudem neu befüllt. Dabei handelt es sich um Uferschutzanlagen aus doppelten Holzpflockreihen, die mit dazwischen geschnürtem Strauchschnitt, sogenannten Faschinen, gefüllt sind.

Erholungszone und Naturerlebnis

Parallel zu den erfolgten Unterhaltsarbeiten prüfen die Abteilung Tiefbau und Sicherheit und die Abteilung Liegenschaften gemeinsam mit der Greifensee-Stiftung weitere Sanierungs- und Aufwertungsmassnahmen, die in den nächsten Jahren projektiert und sukzessive umgesetzt werden sollen: «Ziel ist es, die naturnahen Erholungszonen für die Besuchenden künftig noch attraktiver und erlebbarer zu gestalten, um Erholung und Naturerlebnis zugleich zu bieten.»

Was in von der Gemeinde im «Beamtendeutsch» verklausuliert wird, könnte man auch einfacher sagen: Am Ufer wurde Raubbau betrieben. Und nun übt man sich in Schadensbegrenzung.